INTERVIEW: MIKA KAURISMÄKI

In MASTER CHENG IN POHJANJOKI begibt sich der Koch Cheng mit seinem Sohn in ein ihm völlig unbekanntes Land, um dort ein neues Leben zu beginnen. Auch Sie haben schon in vielen verschiedenen Ländern der Erde gelebt – u.a. in Italien, Portugal, Brasilien und auch Deutschland. Würden Sie sagen, dass sich diese Erfahrungen auf Ihre Arbeit als Filmemacher auswirkt?

Dass ich in vielen Ländern gewohnt und gearbeitet habe, hat sich sicherlich sehr auf meine Arbeit ausgewirkt. Als Filmemacher sehe ich mich auch als eine Art Anthropologe, der mit seiner Kamera um die Welt reist und die Menschen verschiedener Kulturen beobachtet. Das interessiert mich sehr. Ich habe fast die Hälfte meines Lebens im Ausland gelebt, was sicher auch meine Haltung dazu beeinflusst und gestaltet hat. Deshalb sind kulturelle Unterschiede oft Thema meiner Filme.

In MASTER CHENG IN POHJANJOKI begibt sich der Koch Cheng mit seinem Sohn in ein ihm völlig unbekanntes Land, um dort ein neues Leben zu beginnen. Auch Sie haben schon in vielen verschiedenen Ländern der Erde gelebt – u.a. in Italien, Portugal, Brasilien und auch Deutschland. Würden Sie sagen, dass sich diese Erfahrungen auf Ihre Arbeit als Filmemacher auswirkt?

Dass ich in vielen Ländern gewohnt und gearbeitet habe, hat sich sicherlich sehr auf meine Arbeit ausgewirkt. Als Filmemacher sehe ich mich auch als eine Art Anthropologe, der mit seiner Kamera um die Welt reist und die Menschen verschiedener Kulturen beobachtet. Das interessiert mich sehr. Ich habe fast die Hälfte meines Lebens im Ausland gelebt, was sicher auch meine Haltung dazu beeinflusst und gestaltet hat. Deshalb sind kulturelle Unterschiede oft Thema meiner Filme.

Die beiden Chinesen werden von den Einheimischen zunächst skeptisch beäugt. Schnell stellt sich aber heraus, dass alle voneinander lernen und profitieren können, die menschlichen Bedürfnisse nach Gemeinschaft, Freundschaft und Liebe überall auf der Welt die gleichen sind und man mit Solidarität weiterkommt, als mit Abgrenzung. Liegt Ihnen diese Botschaft seit Ihrer Rückkehr aus Brasilien besonders am Herzen? 

Wie gesagt, habe ich lange in Kulturen gelebt, die oft ganz anders sind, als die Finnische. Aber ich habe gelernt, dass die Menschen trotzdem im Wesentlichen ähnlich und die Grundbedürfnisse überall auf der Welt die Gleichen sind. Ich kann überall gut mit Leuten zurechtkommen. Es sind nicht die menschlichen Unterschiede, die uns trennen, sondern die ideologischen. Ich lebte 30 Jahre in Brasilien und liebte die Menschlichkeit und Lebensfreude in diesem Land. Ich liebe sie immer noch, aber ideologisch konnte ich es dort schließlich leider nicht mehr aushalten und musste mit meiner Familie gehen. Nicht aufgrund der Menschen dort, sondern aufgrund der kleinen herrschenden und komplett korrupten Klasse.  Diese Erfahrung hat den Ton meines Filmes sicherlich gefärbt; ich wollte einen Film machen, der Menschen zusammenführt – nicht trennt.

Das Dorf, in das sich Cheng und sein Sohn verirren, liegt fernab von Handelsmetropolen und globaler Vernetzung. Diese abgelegene Gemeinde im finnischen Teil Lapplands erinnert stark an den Ort Sodankylä, an dem Sie 1986 gemeinsam mit ihrem Bruder Aki das legendäre Midnight Sun Film Festival gegründet haben. Was ist so besonders an dieser Gegend?

Ich bin ein großer Fan von Lappland und ich kenne die Gegend inzwischen ziemlich gut. Das Festival machen wir schon seit 35 Jahren, aber auch sonst bin ich dort mindestens zweimal im Jahr: einmal im Sommer bei 24 Stunden Tageslicht und einmal im Winter bei 24 Stunden Dunkelheit. Lappland hat etwas Magisches, etwas, das man schwierig mit Worten beschreiben kann. Man kann es eigentlich nur fühlen. Wir haben eine wichtige Szene von MASTER CHENG in Sodankylä gedreht, der Rest des Films wurde nordwestlich von Sodankylä gedreht, in der wunderschönen Gegend von Pallastunturi und Pallasjärvi. Dort gibt es die reinste Luft und das reinste Wasser der Welt und das kleine Dorf von Raattama war ideal als Hauptdrehort. Es war sehr schön, wie wir uns als Filmteam aus dem Süden während der Drehzeit in das kleine Dorf mit seinen 150 Einwohnern integriert haben, genauso wie Cheng und sein Sohn im Film.

Die Gerichte, die Cheng in Sirkkas Restaurant serviert, sind nicht nur nach kulinarischen Gesichtspunkten eine Bereicherung für das kleine finnische Dorf – die alten chinesischen Rezepte tragen auch zur Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner bei. Wie sind Sie auf das Thema TCM gestoßen? Haben Sie selbst einen Bezug dazu?

Die Traditionelle Chinesische Medizin war eigentlich der Ausgangspunkt der Geschichte. Der Drehbuchautor hat mir einmal erzählt, dass er sich schon lange für die TCM interessiert und viel dazu recherchiert hat. Mich hat das Thema auch interessiert und ich habe dann vorgeschlagen, eine Geschichte zu entwickeln, in der TCM und vor allem das Essen als wichtiger Teil dieser medizinischen Lehre, eine große Rolle spielt. Gutes Essen führt Menschen zusammen, und das ist genau das, was ich machen wollte: einen Film, der Menschen zusammenführt.